Seit April 2026 wird im Projekt ProAktiMO bundesweit, die Dialogfähigkeit muslimischer Gemeinden gefördert. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen, die das Gemeindeleben vor Ort gestalten: Vorstände und Verantwortliche der islamischen Projektpartner-Gemeinden (IPPs) aber insbesondere sollen Jugendliche erreicht werden, als Gestalter*innen von heute und morgen.
Inzwischen wurden bereits fünf von insgesamt zehn Standorten besucht. Bis Ende 2026 folgen fünf weitere Standorte. Ergänzend zu den Workshops vor Ort sind für Herbst und Winter 2026 Online-Module geplant, die die erworbenen Kompetenzen weiter vertiefen und die Teilnehmenden dabei unterstützen sollen, ihre Dialogfähigkeit nachhaltig auszubauen.
„Ein echter Dialog kann nur entstehen, wenn Menschen selbst miteinander ins Gespräch kommen und nicht andere für sie sprechen“, erklärt Danial Haider Zaidi, Referent für dialogorientierte Diskursformate im Projekt ProAktiMO.
Gerade in einer vielfältigen und pluralistischen Gesellschaft sei es entscheidend, unterschiedliche Lebensrealitäten unmittelbar kennenzulernen und Empathie aufzubauen. Dazu gehören nicht nur Herausforderungen und Vorbehalte, sondern ebenso Erfahrungen, Erfolge und gelungene Formen des gesellschaftlichen Miteinanders. Die Workshops setzen deshalb bewusst bei den Gemeinden selbst an. Sie sollen dazu befähigt werden, ihre Perspektiven einzubringen, anderen zuzuhören und auch dort im Gespräch auf Augenhöhe zu bleiben, wo unterschiedliche Positionen aufeinandertreffen.
Ein Bestandteil der Workshops ist die Auseinandersetzung mit aktuellen Statistiken und gesellschaftlichen Entwicklungen zur Situation von Musliminnen und Muslimen in Deutschland. Dabei geht es nicht allein um Zahlen, sondern auch um die Frage, welche Faktoren einem offenen und konstruktiven Diskurs im Wege stehen können und wie bestehende Hürden abgebaut werden können. Darauf aufbauend lernen die Teilnehmenden unterschiedliche didaktische und dialogorientierte Methoden kennen. Spielerische Übungen helfen dabei, eigene Sichtweisen zu hinterfragen, andere Perspektiven besser zu verstehen und die eigene Gesprächsführung zu reflektieren.
So wird aus einer vermeintlichen Gegenüberstellung ein Lernprozess: Wie kann ich eine andere Position verstehen, ohne sie selbst übernehmen zu müssen? Wo gibt es trotz unterschiedlicher Ausgangspunkte einen gemeinsamen Nenner? Und wie kann ich auch dann respektvoll und im Dialog bleiben, wenn kein gemeinsamer Nenner gefunden wird?
Ziel ist es nicht, wie man den anderen von der eigenen Meinung überzeugt, sondern zu verstehen, warum jemand eine bestimmte Position vertritt und herauszufinden, wo trotz unterschiedlicher Ansichten Gemeinsamkeiten liegen könnten. Der Workshop verfolgt damit einen Ansatz, der über die Grenzen einzelner Gemeinden hinausweist. Dialogfähigkeit bedeutet, unterschiedliche Perspektiven aushalten und miteinander ins Gespräch bringen zu können und das auch dann, wenn es keine einfache Einigkeit gibt.
Die Teilnehmenden erhalten konkrete Werkzeuge und Kenntnisse, um Gespräche konstruktiv, respektvoll und auf Augenhöhe zu führen. Ziel ist es, nicht nur einzelne Begegnungen zu ermöglichen, sondern langfristige Gesprächsräume zu schaffen, in denen gegenseitiges Verständnis wachsen kann.
„Das Ziel ist die Gemeinden darin stärken, selbstbewusst und dialogfähig aufzutreten, ihre eigenen Perspektiven einzubringen und gleichzeitig offen für andere Sichtweisen zu bleiben. Eine pluralistische Gesellschaft lebt davon, dass Menschen miteinander sprechen, auch gerade dann, wenn sie nicht in allem einer Meinung sind“, so Zaidi.
Mit den verbleibenden fünf Vor-Ort-Workshops und den geplanten Online-Modulen im Herbst und Winter 2026 setzt das Projekt ProAktiMO diesen Prozess fort. Denn nachhaltiger Dialog beginnt dort, wo Menschen bereit sind, einander zuzuhören, die eigene Perspektive zu hinterfragen und gemeinsam nach Verständigung zu suchen. Denn gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht dadurch, dass alle dasselbe denken. Er entsteht dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven miteinander im Gespräch bleiben.


ProAktiMO wird durch das Bundesministerium des Innern (BMI) im Rahmen der Deutschen Islam Konferenz (DIK) gefördert und vom Wohlfahrtsverband Sozialdienst muslimischer Frauen e.V. @smf_verband getragen.


