Das Wirken prosozialer muslimischer Gemeinden: Jahresveranstaltung 2026 in Köln
Wie zeigt sich das prosoziale Engagement muslimischer Gemeinden im Alltag und welchen Beitrag leisten sie zum gesellschaftlichen Zusammenhalt?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt der zweiten bundesweiten Jahresveranstaltung des Projekts ProAktiMO am 28. September 2026 in Köln. Unter dem Titel „Das Wirken prosozialer muslimischer Gemeinden“ kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und muslimischer Zivilgesellschaft zusammen, um über die gesellschaftliche Bedeutung dieses Engagements sowie Möglichkeiten seiner langfristigen Förderung und strukturellen Verankerung zu diskutieren.
In der Karl-Rahner-Akademie stand insbesondere das vielfältige soziale Engagement von Moscheegemeinden und Cemhäusern im Mittelpunkt. Ob Nachbarschaftshilfe, Kinder- und Jugendarbeit, Bildungsangebote, Seniorenarbeit oder soziale Unterstützung: Muslimische Gemeinden leisten vielerorts einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dennoch fehlt es häufig an langfristigen Fördermöglichkeiten, struktureller Anerkennung und gleichberechtigtem Zugang zu bestehenden Unterstützungsangeboten.
Die Veranstaltung machte diese Herausforderungen sichtbar und eröffnete einen Dialog darüber, wie ehrenamtlich getragene Initiativen dauerhaft gestärkt und professionelle Strukturen aufgebaut werden können.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Ayten Kılıçarslan, Vorstandsvorsitzende des Wohlfahrtsverband Sozialdienst muslimischer Frauen e.V. (SmF-Wohlfahrtsverband), der das Projekt ProAktiMO trägt. Mit Blick auf das 20-jährige Bestehen der Deutschen Islam Konferenz betonte sie die Notwendigkeit, muslimische Organisationen stärker als eigenständige Akteure der Zivilgesellschaft wahrzunehmen und ihre soziale Arbeit langfristig abzusichern.
Auch die Bundestagsabgeordneten Serap Güler und Aydan Özoğuz griffen in ihren Beiträgen die Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements auf. Dabei thematisierten sie unter anderem die gesellschaftliche Verantwortung muslimischer Gemeinden, den Abbau bürokratischer Hürden und den Bedarf an nachhaltigen Unterstützungsstrukturen.
Annegret Korff aus dem Bundesministerium des Innern unterstrich die Bedeutung muslimischer Organisationen als aktive Mitgestalter des Gemeinwesens. Das Projekt ProAktiMO setze genau dort an, indem es bestehende Eigeninitiativen stärke, Kooperationen mit kommunalen Partnern fördere und die Entwicklung tragfähiger Strukturen unterstütze.
In zwei Podiumsdiskussionen kamen Perspektiven aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und muslimischer Gemeindearbeit zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, damit das häufig ehrenamtlich organisierte Engagement muslimischer Gemeinden langfristig gesichert und weiterentwickelt werden kann.
Zu den Mitwirkenden gehörten unter anderem Aslı Sevindim aus dem nordrhein-westfälischen Integrationsministerium, die Bundestagsabgeordnete Lamya Kaddor, Rachida Brigui aus der Duisburger Stadtverwaltung und Jun.-Prof. Dr. Ayşe Almila Akca von der Universität Münster.
Die Diskussionen verdeutlichten, dass Anerkennung über öffentliche Wertschätzung hinausgehen muss.
Entscheidend seien der Abbau institutioneller Zugangsbarrieren, verlässliche Kooperationen mit kommunalen Einrichtungen und langfristige Möglichkeiten zur Professionalisierung.
Praxisberichte von Gönül Yerli aus der Islamischen Gemeinde Penzberg, Elçim Saygün aus der Alevitischen Gemeinde Herne und Tayyaba Rana vom Islamischen Wohlfahrtsverband An-Nusrat e.V. ergänzten die fachlichen Perspektiven. Sie verdeutlichten, wie muslimische Organisationen mit eigenen sozialen Angeboten, interreligiöser Zusammenarbeit und kommunalen Partnerschaften bereits heute gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.
Neben den Fachbeiträgen bot die Jahresveranstaltung Einblicke in die konkrete Projektarbeit. In Live-Schaltungen zu den zehn bundesweiten Projektstandorten berichteten Standortteams und Teilhabelotsinnen und Teilhabelotsen über ihre Erfahrungen, lokale Kooperationen und das Engagement der beteiligten Gemeinden.
Die bislang umgesetzten Mikroprojekte zeigten die Vielfalt der Aktivitäten: von medienpädagogischen Workshops über interkulturelle Begegnungsangebote und kreative Projekte für junge Frauen bis hin zu Initiativen gegen Einsamkeit und Armut.
Die Beispiele machten deutlich, wie muslimische Gemeinden gesellschaftliche Bedarfe erkennen, eigene Lösungen entwickeln und das Zusammenleben vor Ort aktiv mitgestalten.
Die zweite Jahresveranstaltung knüpfte an die Impulse des Vorjahres an und rückte eine zentrale Zukunftsfrage in den Vordergrund: Wie kann eine dauerhafte strukturelle Beteiligung erreicht werden?
Im Austausch wurde deutlich, dass ehrenamtliches Engagement eine wichtige Grundlage bildet, langfristige soziale Arbeit jedoch verlässliche Rahmenbedingungen benötigt. Dazu gehören tragfähige Partnerschaften, der Zugang zu Förderstrukturen und die Möglichkeit, professionelle Angebote dauerhaft zu etablieren.
Mit der Jahresveranstaltung 2026 setzte ProAktiMO einen weiteren Impuls für die Anerkennung muslimischer Organisationen als selbstverständlichen und unverzichtbaren Teil der Zivilgesellschaft. Die Veranstaltung zeigte zugleich, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt dort wächst, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen und gemeinsam an tragfähigen Zukunftsperspektiven arbeiten.
Grußworte
Die Grußworte der Jahresveranstaltung geben Einblicke in unterschiedliche politische und zivilgesellschaftliche Perspektiven auf muslimisches Engagement, gesellschaftliche Teilhabe und die Bedeutung nachhaltiger Zusammenarbeit.
Hier stehen die einzelnen Beiträge als Videoaufzeichnungen zur Verfügung und können unabhängig voneinander angesehen werden.
Ayten Kılıçarslan
Vorstandsvorsitzende, SmF-WohlfahrtsverbandSerap Güler
Mitglied des Deutschen BundestagesAydan Özoğuz
Mitglied des Deutschen BundestagesAnnegret Korff
Bundesministerium des InnernPodiumsdiskussionen zum Nachsehen
Wie lässt sich das soziale Engagement muslimischer Gemeinden langfristig stärken? Welche strukturellen Hürden bestehen und welche politischen, wissenschaftlichen und praktischen Ansätze können zu ihrer Überwindung beitragen?
Die beiden Podiumsdiskussionen der Jahresveranstaltung vertiefen diese Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven. Die vollständigen Aufzeichnungen stehen hier zum Nachsehen bereit und ermöglichen es, die fachlichen Impulse und Diskussionen der Veranstaltung auch im Nachgang nachzuvollziehen.

