17 Teilnehmende, vier intensive Schulungstage und zahlreiche anregende Diskussionen: Vom 25. bis 28. Juni 2026 fand in Meckenheim die Fachschulung „Train the Trainer“ für die Standortkoordinator*innen (SK) des Projekts ProAktiMO statt. Im Mittelpunkt standen die Stärkung der Diskursfähigkeit, die Auseinandersetzung mit verfassungsrechtlichen Fragestellungen sowie die Entwicklung von Handlungskompetenzen für den Dialog in einer vielfältigen Gesellschaft.
Die Schulung wurde von der Projektzentrale organisiert und richtete sich insbesondere an die acht Standortkoordinator*innen.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie sich das Grundgesetz, die Verfassung und muslimische Lebensrealitäten in Deutschland zueinander verhalten. Der Verfassungsrechtler und Professor für Islamische Normenlehre und ihre Methodologie Prof. Dr. Cefli Ademi vermittelte hierzu in zwei Schulungseinheiten zentrale Grundlagen und regte zugleich zur intensiven Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven an. Besonders wertvoll war dabei die Einordnung der islamischen Rechtsauffassung im Rahmen des Verfassungsrechts. Prof. Dr. Ademi zeigte Zusammenhänge auf und schlug Brücken zwischen den rechtlichen und gesellschaftlichen Perspektiven. Für die Teilnehmenden ergaben sich daraus zahlreiche neue Impulse und Anknüpfungspunkte zur besseren Argumentation in ihrer praktischen Arbeit.
Die theoretischen Inhalte wurden anschließend in Debatten vertieft. So blieb es nicht bei der Vermittlung von Wissen, denn die Teilnehmenden waren gefordert, Positionen zu reflektieren, Argumente auszutauschen und sich aktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen.
Am dritten Schulungstag standen die Meinungsfreiheit und ihre Grenzen im Mittelpunkt. Die Juristin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Projekt Rabia Kılıçarslan referierte insbesondere über die Abgrenzung der Meinungsfreiheit zu Hetze und Verleumdung sowie um die Frage, wie mit entsprechenden Inhalten im medialen Raum professionell umgegangen werden kann. Auch hier wurde der theoretische Input durch praktische Übungen ergänzt. Die Teilnehmenden diskutierten konkrete Fragestellungen in Kleingruppen und anschließend mit allen und beschäftigten sich damit, wo die Grenzen der Meinungsfreiheit erreicht sind.
Ein weiterer Baustein war die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI). Dabei wurde thematisiert, welche Möglichkeiten moderne KI-Werkzeuge für die Öffentlichkeitsarbeit bieten und wie sie sinnvoll und verantwortungsvoll bei der Erstellung von Texten eingesetzt werden können.
Die Rahmenbedingungen stellten die Gruppe dabei vor eine zusätzliche Herausforderung. Während der vier Schulungstage herrschten außergewöhnlich hohe Temperaturen und die Schulungsräume waren nicht klimatisiert. Doch von nachlassender Motivation war dennoch nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil, denn die Teilnehmenden arbeiteten konzentriert mit, beteiligten sich aktiv an Diskussionen und Übungen und brachten ihre Erfahrungen und Perspektiven ein. Trotz der Hitze wurde gemeinsam intensiv gelernt, diskutiert und gearbeitet, wobei auch der Spaß nicht zu kurz kam.
Gerade dieser interaktive Charakter machte die Schulung zu einem besonderen Erlebnis. Der offene Austausch und die Bereitschaft, auch unterschiedliche Positionen miteinander zu diskutieren, trugen wesentlich zu einer lebendigen und konstruktiven Lernatmosphäre bei.
Zum Abschluss der Fachschulung richtete sich der Blick nach vorn. Gemeinsam wurde die Jahresveranstaltung geplant und damit der Transfer der Schulungsinhalte in die weitere Projektarbeit vorbereitet.
Die vier Tage haben deutlich gemacht, wie wichtig fachliche Weiterbildung, gegenseitiger Austausch und die Fähigkeit zum sachlichen Dialog für die Arbeit im Projekt ist. Neben zahlreichen neuen Informationen und fachlichen Impulsen nehmen die Teilnehmenden vor allem ein vertieftes Verständnis für die verfassungsrechtliche Einordnung muslimischer Lebensrealitäten und die Verbindung zu islamisch-rechtlichen Fragestellungen mit.
Die „Train the Trainer“-Schulung war damit nicht nur eine fachliche Weiterbildung, sondern zugleich ein Raum für Austausch, Reflexion und gemeinsames Lernen und somit ein wichtiger Baustein für die weitere Arbeit im Rahmen von ProAktiMO.



ProAktiMO wird durch das Bundesministerium des Innern (BMI) im Rahmen der Deutschen Islam Konferenz (DIK) gefördert und vom Wohlfahrtsverband Sozialdienst muslimischer Frauen e.V. @smf_verband getragen.


